Heute hat die EJU auf ihrer Homepage die Teilnehmerliste für die Judo-Europameisterschaften am kommenden Woche (22. bis 25. April) im Ferry Dusika-Stadion veröffentlicht. Insgesamt werden 305 Athletinnen und Athleten aus 45 Nationen um den Europameistertitel kämpfen. Für das ÖJV-Team wird es sicher kein einfaches Unterfangen. Zum einen ist die Konkurrenz sehr groß, zum anderen ist der Druck, auf heimischen Boden einen Titel oder zumindest eine Medaille zu erreichen, doch ziemlich groß.
Die Listen können auf der Homepage der EJU heruntergeladen werden. Im Folgenden eine kurze Einschätzung der einzelnen Gewichtsklassen.
Beginnen wir bei den Frauen:

Valentina Schauer
Bis 48 kg: In der leichtesten Frauenklassen wird die Wienerin Valentina Schauer ihr Bestes geben. Sie hat allerdings insbesondere die Zweit- und Drittplatzierte der Vorjahres-EM als Konkurrentinnen. Das wäre zunächst die Ungarin Eva Csernoviczki, die sich derzeit in der Weltrangliste auf Rang 6 befindet. Und die Deutsche Michaela Baschin. Die Deutsche rangiert zwar nur auf Rang 14, sie hat aber in den letzten Turnieren ihre Gefährlichkeit unter Beweis gestellt. Weiters wäre noch die Spanierin Oiana Blanco zu erwähnen. Sie liegt derzeit auf Rang 10 der Weltrangliste. Und zu guter Letzt ist da noch die starke Rumänin Alina Alexandra Dumitru. Sie wurde 2009 Dritte, hat aber bereits fünf EM-Titel erringen können und ist trotz ihres 12. Ranges in der Weltrangliste nicht aus dem Auge zu lassen.

Petra Steinbauer
Bis 52 kg: Hier musste die Kärntnerin Petra Steinbauer für die verletzte Niederösterreicherin Tina Zeltner einspringen. Petras schärfste Konkurrentin wird wohl die Titelverteidigern aus dem Vorjahr, die Russin Natalia Kuzyutina sein. Doch in der Weltrangliste liegt noch die Spanieren Ana Carrascosa einen Platz vor der Russin, auf Rang 2. Nicht zu unterschätzen ist zudem die Niederländerin Kitty Bravik. Sie wurde 2009 in Tiflis (GEO) Dritte und liegt in der Weltrangliste auf Rang 10. Und dann wäre da noch die Belgierin Ilse Heylen, die mit Rang 7 in der Rangliste und ihrer Bronzemedaille im Vorjahr ebenfalls stark einzuschätzen ist.

Sabrina Filzmoser
Bis 57 kg: Nach einem kurzen Ausflug in die 63-kg-Klasse ist ja die Oberösterreicherin Sabrina Filzmoser wieder in ihre „alte“ Gewichtsklasse zurückgekehrt. Mit ihrem 7. Platz in Tiflis 2009 wird sie noch auf Rang 11 in der Weltrangliste in dieser Klasse geführt. Ihre stärkste Herausforderin wird wohl die Titelverteidigerin Telma Monteiro sein. Die Portugiesin wird von der IJF/EJU auf Rang 2 eingestuft und führt damit die Herausforderinnen an, gefolgt von der Französin Morgane Ribout (Bronzemedaille 2009 und Rang 3) und Hedvig Karakas aus Ungarn (ebenfalls Bronzemedaille 2009 und Rang 4). Unter den besten Zehn der Rangliste sind noch die Rumänin Curina Oana Caprioriu (Rang 7) und die Griechin Ioulietta Boukouvala (Rang 10) ins Auge zu fassen.

Hilde Drexler
Bis 63 kg: Nach der Weltrangliste (Rang 39) geht hier die Wiener Hilde Drexler sicherlich nicht als Favoritin ins Rennen. Ihre stärkste Gegnerin wird die Silbermedaillengewinnerin aus dem Vorjahr Vera Koval sein. Die Russin liegt aber nur auf Rang 11 der Weltrangliste, sodass sie nicht unbedingt als die Stärkste einzuschätzen ist. Auf Rang 5 liegt etwa die nicht zu unterschätzende Niederländerin Elisabeth Willeboordse und unmittelbar dahinter, auf Rang 7, die Israelin Alice Schlesinger. Diese drei Gegnerinnen werden es Hilde Drexler sicher nicht leicht machen, die Wienerin ist aber immer für Überraschungen gut.

Bernadette Graf
Bis 70 kg: Ähnlich wie in der vorangegangenen Klasse wird auch hier die Kärntnerin Bernadette Graf als 69. der Rangliste nicht als Favoritin eingestuft. Harte Gegnerinnen werden aber sicherlich die Ungarin Anett Meszaros sein, die in der Rangliste den 2. Platz belegt, und die Slowenin Rasa Sraka, die auf Rang 10 liegt. Aber auch hier kann Bernadette Graf für eine Überraschung sorgen.

Nadine Pichler
Bis 78 kg: Die Salzburgerin Nadine Pichler ist als Ungesetzte eigentlich eine krasse Außenseiterin in dieser Gewichtsklasse. Sie muss sich hier vor allem gegen die Vizeeuropameisterin des Vorjahres, der Ukrainin Maryna Pryshchepa durchsetzen, die gleichzeitig den 3. Platz der Weltrangliste belegt. Aufpassen muss sie auch bei Marhinde Verkerk. Die Niederländerin ist von der IJF/EJU auf Rang 6 eingestuft. Nichts desto Trotz kann sie vielleicht auch den Vorteil nutzen, den eine solche Außenseiterrolle mit sich bringt. Denn im Grunde kann sie nur gewinnen.

Marianne Morawek-Hollensteiner
Über 78 kg: Auch die Oberösterreicherin Marianne Morawek-Hollensteiner geht in dieser Kategorie ohne Platzierung in der Weltrangliste auf die Matte. Ihre schärfsten Rivalinnen werden wohl die Silber- und Bronzemedaillengewinnerinnen aus dem Vorjahr sein. Das wäre zum einen die Polin Ursula Sadkowska – sie belegt Rang 9 der Rangliste – und zum anderen die Türkin Gulsah Kocaturk (Rang 18). Aufpassen muss Marianne Morawek aber auch bei der Slowenin Lucija Polavder (Rang 6) und der Deutschen Franziska Konitz (Bronzemedaille 2009 und Rang 10). Doch mit der notwenigen heimischen Unterstützung, könnte die Mühlviertlerin sicher ein gutes Resultat erzielen.
Kommen wir nun zu den Männern:

Ludwig Paischer
Bis 60 kg: Ganz klar wird diese Gewichtsklasse das absolute Highlight bei diesen Titelkämpfen darstellen. Schließlich kämpft hier unser Olympia-Silber-Boy Ludwig Paischer. Der Salzburger liegt auf dem 5. Platz der Weltrangliste und zählt schon dadurch zum engsten Kreis der Favoriten. Sein schwierigster Gegner wird der Zweitplatzierte der Titelkämpfe aus dem Vorjahr sein. Der Ukrainer Georgiy Zantaraya führt außerdem als Weltmeister die Weltrangliste an und wird nur ganz schwer zu schlagen sein. Doch in dieser Kategorie wimmelt es quasi von Mit-Favoriten. Das wäre etwas der Armenier Hovhannes Davtyan (Rang 6), oder der Niederländer Jeroen Mooren (Rang 7). Und nicht zu vergessen der Italiener Elio Verde (Rang 9). Es bleibt nur zu hoffen, dass der Favoritendruck nicht allzu groß auf „Lups“ Schultern lastet.

Andreas Mitterfellner
Bis 66 kg: Trotz Rang 31 in der Weltrangliste und trotz der Tatsache, dass es sich um eine der stärkst besetzten Gewichtsklassen handelt, ist in dieser Kategorie für den Steirer Andreas Mitterfellner alles möglich. Jedoch wird ihm der Titelverteidiger von 2009 Miklos Ungvari die Sache nicht einfach machen. Der Ungar liegt auf Rang 5 der Weltrangliste und das bedeutet, dass mit einem weiteren schweren Konkurrenten zu rechnen ist. Auf Rang 4 liegt nämlich der Spanier Sugoi Uriarte. Und er wird es Andreas Mitterfellner so schwer wie möglich machen wollen. Und dann wäre hier noch der Russe Musa Mogushkov zu erwähnen, der auf Rang 10 eingestuft ist.

Peter Scharinger
Bis 73 kg: Ähnliche Bedingungen wie Mitterfellner hat auch der Oberösterreicher Peter Scharinger. Er konnte sich heuer in der Rangliste auf Platz 26 einordnen. Seine stärksten Herausforderer sind sicherlich der Titelverteidiger aus dem Vorjahr, der Ukrainer Volodymy Soroka – er liegt auf Rang 7 -, sowie der auf dem 2. Listenplatz liegende Belgier Dirk Van Tichelt, der hier als absoluter Favorit ins Rennen geht. Aber auch der Bronzemedaillengewinner von 2009, der Niederländer Dex Elmont ist nicht zu unterschätzen (Rang 12). Ebenso wenig wie der Ungar Attila Ungvari, der auf Rang 10 liegt. Zudem darf man auch den Drittplatzierten des Vorjahres, dem Moldawen Marcel Trudov (Rang 24) nicht vergessen.

Albert Fercher
Bis 81 kg: Nicht unbedingt als Favorit ist in dieser Klasse ist der Oberösterreicher Albert Fercher einzustufen. Abgesehen von Rang 108 in der Weltrangliste kämpft er noch dazu in der stärkst besetzten Kategorie dieser EM. Hier sind auch der Zweit- und Drittplatzierte des Vorjahres, der Italiener Antonio Ciano (Rang 13) und der Slowene Aljaz Sedej (Rang 41) verteten. Jedoch aus Sicht der Weltrangliste stellen eindeutig der Brite Euan Burton (Rang 4), der Georgier Levan Tsiklauri (Rang 8 und Bronze 2009) und der Weißrusse Aliaksandr Stsiashenka (Rang 9) die weitaus gefährlicheren Konkurrenten dar.

Max Schirnhofer
Bis 90 kg: Der Salzburger Max Schirnhofer hat schon des Öfteren gezeigt, dass er bei Großereignissen gute Leistungen abrufen kann. Und obwohl der in der Weltrangliste „nur“ den 67. Platz belegt, liegt er im Starterfeld mit dieser Einstufen im guten Mittelfeld. Denn selbst der Viezeuropameister des Vorjahres, der Georgier Varlam Liparteliani konnte sich heuer nur auf Rang 14 behaupten. Der Bronzemedaillengewinner Karolis Bauza aus Litauen belegt gar den 21. Platz. Gefährlich könnte vor allem der Aserbeidschaner Elkhan Mammadov werden. Er gewann im Vorjahr die Bronzemedaille und liegt derzeit auf Rang 7. So könnte diesmal vielleicht eine Überraschung gelingen. Wichtig ist, die Aufmerksamkeit darf im Wettkampf nie nachlassen.

Franz Birkfellner
Bis 100 kg: Auf eine gute Leistung hofft auf jeden Fall Franz Birkfellner. Der Tiroler hat schon anklingen lassen, dass er nach diesen Titelkämpfen seine aktive Karriere beenden möchte. Und er möchte sich in Wien in guter Erinnerung von den Judo-Fans verabschieden. Doch auch in dieser Klasse ist das Starterfeld ziemlich groß. Und mit dem Niederländer Henk Grol (Viezeeuropameister 2009), dem Letten Jevgenijs Borodavko und dem Rumänen Daniel Brata (die beiden Bronzemedaillengewinner 2009) hat er drei ernstzunehmende Gegner. Hinzu kommen noch der Belgier Elco Van der Geest, der in der Weltrangliste auf Platz 3 liegt, und der Tscheche Lukas Krpalek, der Rang 10 belegt. Wollen wir hoffen, dass es ein guter Tag für Franz Birkfellner wird.

Rupert Rieß
Über 100 kg: Ungesetzt startet der Salzburger Rupert Rieß im Schwergewicht. Im wahrsten Sinne des Wortes wird er es nicht leicht haben. Er muss sich in erster Linie gegen den Zweit- und Drittplatzieren aus dem Vorjahr, dem Niederländer Grim Vuijsters und dem Weißrussen Ihar Makarau durchsetzen. Und auch der Deutsche Andreas Tölzer, der im Vorjahr Rang 5 belegte, wird ein ernstzunehmender Gegner sein.
Wie diese kurze Analyse aufzeigt, stehen die Chancen für das österreichische Team nicht so schlecht. Wenn der Heimvorteil nur ein bisschen genutzt werden kann, können unsere Judoka sicherlich zu Höchstleistungen auflaufen. Sicher ist jedenfalls, dass es in allen Gewichtsklassen gute und spannende Kämpfe geben wird. Und unsere Kämpferinnen und Kämpfer werden ihr Bestes geben.
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